Keine leichte Kost, aber sehenswert: Die Brutalität und Grausamkeit der Wehrmacht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schildert der Film „Der Hauptmann“. Darin erzählt Regisseur Robert Schwentke die Geschichte des Gefreiten Willi Herold. Dieser findet eine Hauptmannsuniform und schlüpft ohne zu überlegen in die ranghohe

Verkleidung und damit in die Rolle eines brutalen und mordenden Schergen des Führers.

Dunkles Kapitel der deutschen Vergangenheit

Der Hauptmann beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2018
Eröffnungsfilm Karte

Der 119 Minuten lange Film nach einer wahren Begebenheit ist in Schwarz-Weiss gedreht. Das unterstreicht die düstere und bedrückende Atmosphäre der letzten Kriegstage. „Der Hauptmann“ ist eine der wenigen Streifen, die sich aus der Täterperspektive diesem dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit widmen.

In deutscher Erstaufführung eröffnete die deutsch-französisch-polnische Co-Produktion jetzt das Nachwuchsfilmfestival 39. Max Ophüls Preis in Saarbrücken. Um seine Haut zur retten, verfällt Herold (Max Hubacher) auf eine perfide Idee und erklärt, er und sein „Sonderkommando“ seien im Auftrag von ganz oben unterwegs, um die Lage hinter der Front zu erkunden.
Herold verfällt mehr und mehr dem Rausch der Macht. Mehrere desertierte Soldaten – darunter der Gefreite Walter Freytag (Milan Peschel) und der raufsüchtige Kipinski (Frederik Lau) ordnen sich bereitwillig dem „Hauptmann“ unter – froh wieder einen Befehlsgeber zu haben.

In einem regelrechten Blutrausch ziehen sie durchs Land. Die brutalen Erschießungsszenen vor allem in einem Gefangenlager sind sicher nichts für jedermann. Einige Premiere-Gäste in Saarbrücken verließen angewidert den Saal. Die meisten aber blieben bis zum Schluss.

Wir wollten einen Film machen, der einem im Halse stecken bleibt“, erklärte Produzent Frieder Schleich. Und das scheint Schwentke und seinem Team gelungen. „Wie würde ich mich unter solchen Umständen verhalten?“

Im Abspann fährt das „Sonderkommando Herold“ in Uniform in eine Fußgängerzone von heute, kontrolliert Passanten. Das erschreckende: Die meisten Passanten hätten mitgespielt und sich bereitwillig kontrollieren lassen, erzählte Schwentke.

Wir bedanken uns für den Text beim freien Journalisten Jörg Fischer aus Saarbrücken
Mail: info@jfischmedia.de
Web: www.jfischmedia.de

[display-posts tag="advanced" posts_per_page="20"]